Dan Braun

von Dominik Imseng

Mit „Angels & Demons“ kommt die zweite Verfilmung eines Romans von DAN BROWN ins Kino. Rechtsradikale Verschwörungstheoretiker freut’s.

NZZ am Sonntag, 10. Mai 2009 · Dominik Imseng auf Twitter

Ein aus dem Dunkel der Geschichte aufgetauchter Geheimbund will mit einer Antimaterie-Bombe den Vatikan in die Luft sprengen: Die Verfilmung von Dan Browns Bestseller „Illuminati“ sorgt für reichlich Spannung. Und dafür, dass sich rechtsradikale Verschwörungstheorien verbreiten.

Denn tatsächlich findet sich die Vorstellung eines Geheimbunds von Illuminaten, die insgeheim die Welt regieren, vor allem in ultrarechten und antisemitischen Kreisen. So behauptet der deutsche Autor Jan Udo Holey, die Illuminaten würden von jüdischen Banken finanziert, um eine diktatorische neue Weltordnung zu errichten, und der US-Fernsehprediger Pat Robertson macht die „dunkle Bruderschaft“ für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Ein Radiomoderator aus Arizona, Milton William Cooper, war sogar derart von seinen Wahnideen überzeugt („Keinen Cent für die Illuminaten in der Bundesregierung!“), dass er bei einer Schiesserei mit Polizisten starb, die seine Steuerschulden eintreiben wollten.

Historiker können über diese paranoiden Verschwörungstheorien nur den Kopf schütteln: Die tatsächlichen Illuminaten (vom lateinischen „Illuminati“: die Erleuchteten) waren eine Gruppe deutscher Aufklärer, die 1776 in Bayern gegründet wurde und schon wenige Jahre später wieder zerfiel. Dass man sich überhaupt noch an sie erinnert, hat mit dem Jesuitenpater Augustin Barruel zu tun, der vor der französischen Revolution nach London floh und dort eine „Geschichte des Jakobinertums“ veröffentlichte. Darin behauptete Barruel (völlig haltlos natürlich), die französische Revolution sei das Resultat einer Verschwörung der Illuminaten.

Das Machwerk inspiriert bis heute ultrarechte Verschwörungstheoretiker rund um den Globus – und über deren Websites auch Dan Brown. So stammen etwa Browns Theorien über die symbolische Bedeutung bestimmter Gebäude oder Strassen von der Website des Engländers David Icke, für den die Illuminaten eine Kreuzung von Menschen und Reptiliengöttern aus dem Weltall sind. Und auch Browns Behauptung, die Illuminaten würden überall verschlüsselte Hinweise auf ihre geheime Macht hinterlassen (so etwa das alles überblickende Auge auf der Ein-Dollar-Note), stammt von Websites paranoider Rechtsradikaler. Zum Beispiel der des Amerikaners Alex Jones, für den die Terroranschläge vom 11. September 2001 von Illuminaten in der US-Regierung verübt wurden.

Und wenn schon, liesse sich jetzt einwenden: „Illuminati“ ist ja nur ein Roman, ein Stück fiktive Unterhaltungsliteratur. Doch Dan Brown betont im Vorwort seines Bestsellers, dass die von ihm beschriebene Bruderschaft tatsächlich existiert, und wer die Internetforen besucht, in denen sich Browns begeisterte Leser austauschen, stellt fest: Unzählige von ihnen glauben, dass die Illuminaten tatsächlich eine neue Weltordnung planen.

Was nicht ganz ungefährlich ist: Der Amerikaner Timothy McVeigh war von der Kontrolle Washingtons durch die Illuminaten derart überzeugt, dass er 1995 vor einem Regierungsgebäude in Oklahoma City eine gigantische Bombe zündete.

Sie tötete 168 Menschen.

Auch „Sakrileg“ von ultrarechten Quellen inspiriert
Im Vorwort seines Romans „Sakrileg“ („The Da Vinci Code“) betont Dan Brown, dass es die von ihm beschriebene Prieuré de Sion – eine geheime Bruderschaft, die Beweise für die Ehe Jesu mit Maria Magdalena besitzen soll – tatsächlich gibt. Brown zählt sogar einige ihrer berühmtesten Würdenträger auf (neben Leonardo da Vinci auch Isaac Newton und Victor Hugo) und behauptet, der Beweis ihrer Mitgliedschaft gehe aus Pergamenten hervor, die sich unter der Bezeichnung „Dossiers Secrets“ in der Pariser Nationalbibliothek befänden. Diese „Dossiers“ gibt es dort tatsächlich. Nur sind sie eine offensichtliche Fälschung, wie ihr Urheber – ein gewisser Philippe de Chérisey – selbst zugab. Denn die Prieuré de Sion wurde nicht, wie Dan Brown behauptet, 1099 von Kreuzrittern gegründet, sondern 1956 vom Franzosen Pierre Plantard – als faschistischer Geheimbund, dessen Mitglieder sich durch den Verweis auf angebliche Vorgänger wie da Vinci oder Newton lediglich wichtig machen wollten.

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