Achtung, Tomate!

La_Tomatina

Erst Oktoberfest, dann Halloween: 33 SELTSAME FREMDE BRÄUCHE, die wir Schweizer sonst noch übernehmen könnten.

NZZ am Sonntag, 19. November 2017 · Dominik Imseng kontaktieren

1. ACHTUNG, TOMATE! In der spanischen Stadt Buñol bewerfen sich die Menschen jedes Jahr wie wild mit Tomaten. Die Schneeballschlacht in Rot heisst „La Tomatina“ und findet jeweils Ende August statt.

2. FLIEGENDE BABYS. Im südindischen Bundesstaat Karnataka werfen Hindu-Priester Babys vom Dach eines Tempels. Mit gespannten Bettlaken fängt man sie auf. Das soll die Kleinen gesund und stark machen.

3. „ICH KANN DICH GUT RIECHEN“. Beim indonesischen Volk der Tidong dürfen Frischvermählte drei Tage und Nächte lang nicht ins Bad. Sonst werde ihre Ehe scheitern oder eines ihrer zukünftigen Kinder sterben, so der Aberglaube.

4. MENSCH GEGEN KÄSE. Im englischen Brockworth findet jedes Jahr ein Wettrennen statt, bei dem man einen Käselaib überholen muss, der einen Berg hinabrollt. Mit 100 Stundenkilometern bleibt der Käse aber immer Sieger.

5. DANCING IN THE RAIN. Wir Schweizer freuen uns, wenn die Sonne scheint, die Namibier freuen sich über Regen. Erscheinen am Horizont dunkle Wolken, füllen sie ihre Picknickkörbe und fahren dem ersehnten Nass entgegen. Bei den ersten Regentropfen geht die Party so richtig los.

6. LEICHENMAHL. Beim Volk der Yanomami im Amazonas-Gebiet mischen die Angehörigen eines Verstorbenen seine Asche ins Essen. Angeblich lebt der Tote so in ihnen weiter.

7. ZUM HEULEN. In Japan freuen sich Mütter, wenn ein Priester ihr Baby anschreit und zum Weinen bringt. Bizarrerweise wird das Kind dabei von einem Sumo-Ringer gehalten.

8. HINTERGEDANKEN. In Tschechien sind die Männer am Ostermontag mit einer farbig dekorierten Weidenrute unterwegs und hauen damit den Frauen leicht aufs Hinterteil. Das fördere die Fruchtbarkeit.

9. DER ZAHN DER ZEIT. Auf Bali feilt man Jugendlichen die sechs oberen Eck- und Schneidezähne ab. Das feierliche Ritual findet beim Eintritt ins Erwachsenenleben statt und soll vor Lust, Wut, Habgier, Verwirrung, Rausch und Eifersucht bewahren.

10. ZIMT UND PFEFFER. In Dänemark werden unverheiratete Frauen und Männer über 25 mit Zimt beworfen. Bei Singles über 30 wird der Brauch verschärft. Diese bewirft man mit Pfeffer.

11. WELCHE FARBE IST HEUTE? In Thailand hat jeder Wochentag seine astrologisch bestimmte eigene Farbe. Der Mittwoch ist grün, der Freitag blau, der Sonntag rot. Viele Thailänder passen darum ihre Kleidung dem jeweiligen Wochentag an. Oder sie tragen stets die Farbe des Tags, an dem sie geboren wurden. So wie der 2016 verstorbene König Bhumibol, der immer gelb gewandet war – die Farbe des Montags.

12. TOTENTANZ. Auf Madagaskar graben die Angehörigen von Toten nach ein paar Jahren deren Gebeine aus, umhüllen sie mit neuen Leichentüchern aus Seide und tanzen mit den Skeletten herum. Danach werden die sterblichen Überreste wieder begraben.

13. MIT SCHILD, SCHWERT UND MELONE. In der französischen Stadt Cavaillon wird jeden Sommer das „Fest der Melone“ begangen. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Verleihung des Ehrentitels „Ritter des Melonen-Ordens“.

14. LEIDENSCHAFTLICH CHRISTLICH. Auf den Philippinen lassen sich Männer in Erinnerung an die Leiden Christi ans Kreuz nageln. Damit wollen sie für ihre Sünden büssen.

15. TIEF LUFT HOLEN. Im walisischen Llanwrtyd Wells findet jeweils Ende August die Weltmeisterschaft im Moorschnorcheln statt. Dabei muss man zweimal eine 110 Meter lange und 1.20 Meter tiefe Furche durchtauchen, die mit stinkendem Moorwasser, verfaulten Pflanzen und Matsch gefüllt ist. Als Hilfsmittel sind einzig eine Taucherbrille, ein Schnorchel und Flossen erlaubt.

16. TASCHENTUCH-ALARM. Beim Volk der Fuji in Zentral-China ist es Bestandteil der Vorbereitungen auf die Hochzeit, dass die zukünftige Ehefrau einen Monat lang hemmungslos weint.

17. DIE SPINNEN, DIE SPANIER. Im kastilischen Castrillo de Murcia springen als Teufel verkleidete Männer über auf dem Boden liegende Babys. Das soll die Kleinen vor Unglück schützen.

18. EINE BIERIDEE. Im finnischen Sonkajärvi findet jedes Jahr die Weltmeisterschaft im Ehefrauentragen statt. Damit wollen die Gatten ihre Kraft beweisen. Der Sieger gewinnt das Gewicht seiner Frau in Bier.

19. FEUCHTE TRADITION. Ältere Griechen sind der festen Überzeugung, dass Spucken den Teufel und das Unglück vertreibt. Darum darf man sich nicht wundern, wenn Babys bespuckt werden. Das soll die Kleinen vor bösen Geistern und Ungemach bewahren.

20. HANDZEICHEN. Beim Stamm der Ndani in West-Neuguinea schneiden sich die Angehörigen eines Verstorbenen als Zeichen ihrer Trauer einen Finger ab. Diesen begraben sie mit dem Toten.

21. DER HAMMER, DIESER BRAUCH. Die Einwohner von Porto feiern die Sommersonnenwende auf besondere Art: Mit bunten Plastikhämmern hauen sie sich gegenseitig auf den Kopf (besonders die Männer den Frauen und umgekehrt). Das soll Glück bringen. Traditionsbewusste Portugiesen greifen zum historischen Vorgänger des bunten Plastikhammers: einer Lauchstange.

22. SCHNECKENMENSCHEN. Auf den Philippinen werden Holzhäuser vor Überflutungen und Erdrutschen in Sicherheit gebracht, indem sie die Dorfbewohner anheben und aus der Gefahrenzone tragen.

23. ALLE MANN IN DECKUNG! In Süditalien ist man an Silvester besser vorsichtig unterwegs. Dort ist es Brauch, alte Möbel und Geschirr aus dem Fenster zu werfen.

24. ES LEBE DER TOD. Am mexikanischen „Día de los Muertos“ – dem Tag der Toten – gedenkt man der Verstorbenen mit Unmengen Tequila. Kinder bekommen Lutscher in der Form von Totenköpfen, Familien picknicken auf Friedhöfen, und Freunde schicken sich humorvolle Verse, die ihre jeweilige Todesart voraussagen. Der „Día de los Muertos“ wurde 2003 von der UNESCO zum „Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ erklärt.

25. LOVE PARADE. Die Prostituierten der japanischen Stadt Kawasaki veranstalten jedes Jahr einen Umzug, bei dem sie riesige Penisse herumtragen. Das soll die Damen vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen.

26. BLUTOPFER. Beim Aschura-Fest im Iran geisseln sich fromme Schiiten bis aufs Blut. Damit wollen sie den gewaltsamen Tod von Imam Hussein, einem Enkel des Propheten Mohammed, in Erinnerung rufen.

27. AMEISEN-HANDSCHUH. Der Schritt vom Jugendlichen zum Mann ist beim Stamm der Sateré-Mawé im brasilianischen Amazonas-Gebiet schmerzhaft. Dort muss der Junge stundenlang einen Handschuh tragen, der mit Riesenameisen gefüllt ist. Ihr Stich fühlt sich an, als würde man die Hand ins Feuer halten.

28. TIERLIEBE. Im indischen Bundesstaat Jharkhand vermählt man sich nicht selten mit einem streunenden Hund. Das soll vor Verfluchungen und wilden Tieren schützen.

29. DER BÖÖGG DER SPANIER. Am Aschermittwoch wird in ganz Spanien feierlich eine riesige buntgeschmückte Sardine durch die Strassen getragen. Zuletzt wird die Fischfigur aus Pappmaché und Stoff angezündet.

30. DA HAT MAN DAS GESCHENK. In Mexiko darf das Geburtstagskind als erstes ein Stück von der Geburtstagstorte haben. Allerdings wird ihm dabei das Gesicht voll in die Torte gedrückt.

31. HA-TSCHI! Schmatzen, schlürfen, mit vollem Mund reden: Die Tischsitten der Chinesen sind um einiges lockerer als bei uns. Nur etwas geht gar nicht im Reich der Mitte: sich beim Essen zu schneuzen. Der wohlerzogene Chinese zieht den Rotz hoch oder putzt sich die Nase auf der Toilette.

32. RENN-KAKERLAKEN. Im australischen Brisbane wird der Nationalfeiertag mit einem Kakerlakenrennen begangen. Es gewinnt das Insekt, das als erstes den Rand eines rundförmigen Parcours erreicht.

33. LEBENDE TOTE. Die Toraja auf der indonesischen Insel Sulawesi glauben, dass ein Mensch erst dann wirklich tot ist, wenn ihm zu Ehren ein Wasserbüffel geopfert wurde. Bis das Geld für das teure Ritual beisammen ist, bleibt der mumifizierte Tote bei den Angehörigen, die sich um ihn kümmern wie um einen Lebenden – manchmal jahrelang.