„Fucked from the beginning“

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Vor 40 Jahren starb SID VICIOUS. Wurde der Bassist der Sex Pistols von seiner eigenen Mutter getötet?

Weltwoche, 7. Februar 2019 · Lesedauer 2 Min.

Was nie aufeinandertreffen darf: a) ein Benzinkanister und ein Streichholz, b) ein durchgeknallter Rockstar und ein durchgeknalltes Groupie.

Sid Vicious – bürgerlich John Simon Ritchie – war der Posterboy des Punk. Zuerst als Bassist der Sex Pistols, obwohl oder gerade weil der dünne Junge aus London nicht Bass spielen konnte. Danach als Solo-Künstler, der unter anderem Frank Sinatras „My Way“ coverte.

Dass es Sid Vicious auf seine eigene Art tat, stimmt. Heroin, Amphetamin, Kokain: Niemand sonst im Rockzirkus der 1970er Jahre dröhnte sich so konsequent mit Drogen zu wie der 1957 geborene Brite, dem die heroinsüchtige Mutter schon mit 16 den ersten Schuss setzte – als Geburtstagsgeschenk.

Im November 1977 lernte Sid Vicious die Amerikanerin Nancy Spungen kennen. Die 19-Jährige war ebenfalls Junkie und hatte sich in den Kopf gesetzt, das Supergroupie des Punk zu werden. Mitglieder der Ramones oder der New York Dolls hatte sie schon vernascht, und nun krallte sie sich Vicious, wurde zuerst seine Geliebte und später seine Managerin.

Das Drogen-Pärchen lebte in New York, im von Rockmythen umrankten Chelsea Hotel. Es war dort, wo man Nancy Spungen am 12. Oktober 1978 tot im Badezimmer fand. In ihrem Bauch steckte ein Messer. Sid Vicious lag nebenan im Bett, komplett zugedröhnt.

Nach sieben Wochen auf der Gefängnisinsel Rikers Island wurde der Musiker am 1. Februar 1979 gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt. Das ist das Letzte, was man mit Sicherheit über die Punk-Ikone weiss. Alles, was bis zu Sid Vicious’ Tod einen Tag später geschah, ist eines der grossen Rätsel der Rockgeschichte. War das Heroin zu stark, mit dem er seine Freilassung feierte? War es eine gezielte Überdosis, weil er den Gedanken nicht ertrug, die Liebe seines Lebens erstochen zu haben?

Kurz von ihrem eigenen Drogentod brachte Sid Vicious’ Mutter 1996 eine weitere Variante ins Spiel. Sie will ihrem Sohn eine tödliche Dosis Heroin gespritzt haben, „weil er eine jahrzehntelange Haftstrafe nicht überlebt hätte“.

Eine Mutter, die ihrem Kind den ersten Schuss setzt – und den letzten auch: Johnny Lydon, der Sänger der Sex Pistols, lag richtig, wenn er meinte: „Sid was fucked from the beginning. Er hatte nie eine Chance, älter als 21 zu werden.“