Immer Kummer mit Kummer

Tom_Kummer
Bild: Bad Boy Kummer

Vor 20 Jahren waren alle nach seinen Star-Interviews süchtig. Dann stellte sich heraus, dass TOM KUMMER sie gefälscht hatte. Nun sorgte der Berner erneut für einen Medienskandal.

Schweizer Journalist, 2. August 2016 · Dominik Imseng auf Twitter

„Waren auch Drogen im Spiel?“, frage ich Tom Kummer. „Kokain vielleicht? Oder zumindest Cannabis?“ Dann will ich wissen: „Wie dunkel waren Ihre dunkelsten Stunden?“ Und danach: „2013 begannen Sie wieder, für Roger Köppel zu schreiben. Wie beendet man so einen langen Streit unter Männern? Geht man zusammen saufen? Oder zusammen ins Puff?“

Tom Kummer und ich sitzen mit einem Gin Tonic auf der Dachterrasse des Luxushotels Schweizerhof in Bern. Hoch über der Stadt, wo Kummer mittlerweile wieder wohnt, nach 10 Jahren in Berlin und 22 Jahren in Los Angeles. Seit dem Tod seiner Frau Nina im Herbst 2015 ist Kummer alleinerziehender Vater. Sein Sohn Jack (12) lebt bei ihm in Bern, sein Sohn Henry (18) studiert in den Staaten.

Tom Kummer trägt eine Sonnenbrille und ein dunkelblaues T-Shirt mit dem weissen Aufdruck LAPD. Er ist braungebrannt und verflucht fit für seine 53 Jahre. Man sieht dem ehemaligen Star-Journalisten an, dass er jetzt hauptberuflich Tennislehrer für Erwachsene und Junioren ist.

Okay, ich habe gelogen. Ich sass gar nie mit Tom Kummer auf der Dachterrasse des Schweizerhof. Der Rest der Fakten stimmt, doch unseren Gesprächstermin sagte Kummer wieder ab. Danach gingen nur noch ein paar WhatsApp-Nachrichten hin und her. Aber einen Text über Tom Kummer mit einer Lüge zu beginnen, das passt schon.

Der Grund dafür hat mit einer grossbusigen Blondine zu tun. Als Kummer 1996 Pamela Anderson für das „SZ-Magazin“ interviewen sollte, konnte er das nur im Rahmen eines sogenannten „Junket“ – einer Gesprächsrunde für Journalisten, in denen Stars auf oberflächliche Fragen oberflächliche Antworten geben. Mit diesem O-Ton wird dann ein Interview montiert, von dem die Leser glauben, dass es unter vier Augen geführt wurde.

Weil das Tom Kummer zu viel der Lüge war, begann er erst recht zu lügen – und noch aus einem anderen Grund: Pamela Andersons Antworten waren so hohl, dass sie Kummer seinen Leserinnen und Lesern nicht zumuten wollte. Also machte er den „Baywatch“-Star in seinem angeblichen Gespräch mit ihm tiefsinniger, als es Frau Anderson je sein wird. Und lustiger auch.

Tom Kummer: Was macht dir richtig Spass?

Pamela Anderson: Wenn die Kollegen von Mötley Crüe zu Besuch kommen. Dann kickboxen sie, tragen meine Bikinis und meine High-Heels. Ich schwinge auf dem Trapez durch die Lüfte, mit einem riesigen Hut auf dem Kopf und in Super-High-Heels. Und das ist dann auch alles, was ich trage.

Das von Tom Kummer imaginierte „Interview“ war ein Testballon. Würde die Redaktion des „SZ-Magazin“ seinen Kunstgriff verstehen? Würde sie gutheissen, wie er sich gegen die Vereinnahmung für PR-Zwecke wehrte? Würde sie zulassen, dass er Fiktion als Wahrheit verkaufte? So zumindest versuchte Kummer seine erste Fälschung nachträglich zu rechtfertigen – als eine Art Hollywood-Wallraffiade.

Wie auch immer: Christian Kämmerling und Ulf Poschardt, die beiden Chefs des „SZ-Magazin“, waren von Kummers angeblichem Gespräch mit Pamela Anderson hin und weg. Genau wie von seinen weiteren fingierten Interviews, die auch René Bortolani, der damalige Chef des „Tagi-Magi“, mit Handkuss druckte. Ob Sean Penn, John McEnroe oder Quentin Tarantino: Sie alle wirkten im „Gespräch“ mit Kummer so, als ob sie ihr ganzes Leben nur darauf gewartet hätten, sich endlich mit ihm unterhalten zu dürfen. Als wäre der Berner ihr Therapeut, dem sie zutiefst vertrauen. „Wir unterhalten uns seit einer Viertelstunde, aber ich verstehe Ihre Antworten nicht. Sagen Sie mir doch einfach, worüber Sie gern sprechen möchten.“ So begann Kummer etwa sein „Gespräch“ mit der Sängerin und Schauspielerin Courtney Love. Der Berner hatte eine Art journalistisches Crack erfunden, das sofort süchtig machte. Seine Chefredaktoren, die Leserinnen und Leser – und nicht zuletzt Tom Kummer selbst.

An der Echtheit seiner Gespräche zweifelten Kollegen schon früh. Wie kam Kummer nur an all die vielen Stars ran und warum nahmen sie sich so viel Zeit für ihn? Warum hatte er so einen besonderen Draht zu ihnen, wie „knackte“ er sie? Und nicht zuletzt: Wie schaffte er es, dass er mit den Show- und Sportgrössen offenbar ohne ihre PR-Wachhunde sprechen konnte, die sonst bei allzu intimen Fragen ungemütlich wurden?

Auch der Charakter von Kummer sorgte für Misstrauen. Zwar galt er als begnadeter Schreiber, der für „Tempo“ über die Tamil Tigers, eine Cholera-Epidemie in Peru oder Hundekämpfe in Hamburg geschrieben hatte. Doch für viele war Kummer, der gelegentlich behauptete, sein Vater sei ein afghanischer Mudschahed, nicht ganz dicht und nicht ganz sauber. Er galt als Journalismus-Punk, der für eine gute Geschichte alles machte, so etwa Drogen einkaufen oder sich für eine Story über Isolationshaft eine Woche lang in den Keller der „Tempo“-Redaktion sperren lassen. „Ich gehe davon aus, dass die Leute wissen, was sie tun, wenn sie mit mir in Kontakt treten“, meinte Kummer denn auch, als seine Fälschungen aufflogen.

Dennoch wischten seine Auftraggeber alle Bedenken vom Tisch. Da war die Gier nach Star-Interviews, über die sich die Konkurrenz grün und blau ärgerte. Und da war auch ein ganz eigenes journalistisches Selbstverständnis.

Tatsächlich erfand Ulf Poschardt – einer der beiden „SZ-Magazin“-Chefs – den Begriff „Borderline-Journalismus“. Tom Kummer erinnert sich: „Es gab die Neuen Wilden in der Malerei, Punk und New Wave im Pop. Aber im Journalismus? Journalist wollte man ganz sicher nicht genannt werden. Vielleicht wollte man Künstler sein. Aber das auch nicht richtig. Gab es etwas dazwischen?“ Für das „SZ-Magazin“ schon. Nicht wenige seiner Geschichten überschritten die Grenze zwischen Fakt und Fiktion. Mit dem Resultat, dass die „Bild“-Zeitung einen satirischen Text über eine angebliche Stoffwechselkrankheit von Prinz Ernst August von Hannover für bare Münze nahm. Sie sei dafür verantwortlich, dass der „Prügelprinz“ und Partner von Caroline von Monaco regelmässig gegen Journalisten handgreiflich werde.

„Im Akt der Steigerung von Intensität, Wildheit und Abstraktion schaffen wir eine neue aufgepimpte Wirklichkeit“, soll Ulf Poschardt zu Tom Kummer gesagt haben. Hinzu kam, dass Poschardt – wie Kummer selbst – den französischen Philosophen Jean Baudrillard verehrte, für den die mediale Wirklichkeit eine Simulation war.

Postmoderne Ironie auf der einen Seite, poststrukturalistische Medienkritik auf der andern – auch dies trug dazu bei, dass Kummer nie explizit nachfragte, ob seine Auftraggeber (zu denen mittlerweile auch Roger Köppel gehörte, der neue Chef des „Tagi-Magi“) wussten, was für Stoff er da alle paar Wochen lieferte. Nämlich schlicht und einfach Fakes. Allerdings so kunstvolle, dass es viele von Kummers erfundenen Dialogen verdient hätten, auf der Bühne vorgetragen zu werden.

Courtney Love: Ich fühle mich deprimiert, leer, blöd. Alle meine Gedichte brennen. Minotauren fressen die Genitalien des Mondes. Ich habe gerade sehr viel Zeit mit Filmleuten verbracht. Das ist ungesund.

Tom Kummer fälschte wie ein Künstler, imaginierte eine „tiefere Wahrheit“ hinter der PR-Fassade der Stars, benutzte sie als Megaphon für seine eigenen Ansichten.

Sharon Stone: Ein Mensch sollte in seinem Leben eine Chance bekommen zu beweisen, was in ihm steckt. Ich habe sie bekommen und keinen Moment gezögert, mir alles zu nehmen, was in meiner Reichweite lag.

Tatsächlich liess Kummer bald sämtliche Skrupel fahren. Wo er zu Beginn noch ans eine oder andere „Junket“ ging, entstanden die „Interviews“ bald nur noch am Küchentisch seiner Wohnung in L.A., führte er die Gespräche bloss noch in seinem Kopf.

Es war der Moment, wo er wohl glaubte, noch grösser zu sein als all die Stars, die er nicht interviewte, zusammen. Tatsächlich wurden Kummers Fälschungen immer dreister. So liess er etwa Courtney Love Sätze sagen, die er zwei Jahre früher in einem Porträt über sie geschrieben hatte.

Courtney Love: Ich spiele mit meinen Brüsten, um so eine Art Ekel zu demonstrieren. Ich verwandle mich dann zur Stimme aller gequälten Seelen dieser Welt.

Ebenfalls gefährlich war, dass Kummers erfundene Interviews mittlerweile auch in grossen englischsprachigen Publikationen erschienen, wo sie die jeweiligen Stars oder ihre Agenten jederzeit entdecken konnten. Vielleicht taten sie das sogar, hatten aber nichts gegen die Fälschungen einzuwenden, weil Kummer die Show-Grössen klüger und interessanter machte, als sie es tatsächlich waren.

So oder so: Im Frühjahr 1999 war die seit drei Jahren währende Fake-Party vorbei. Sowohl das „SZ-Magazin“ als auch das „Tagi-Magi“ beendeten die Zusammenarbeit mit dem Berner Knall auf Fall. Hatten Poschardt, Kämmerling und Köppel gemerkt, dass die so verführerisch schillernde Pop-Blase Tom Kummer giftige Chemikalien enthielt und bald platzen würde? Wollten sie den Grenzgänger-Geist, den sie riefen, wieder loswerden? Wir hätten die drei Herren gern gefragt, aber zum Fall Kummer wollen sie sich nicht mehr äussern. (Im Telefongespräch mit dem „Schweizer Journalist“ tat das Roger Köppel allerdings überaus wortreich.)

Wie auch immer: Im Frühjahr 1999 trennte sich Köppel fristlos von Kummer, weil dieser eine Reportage über „Ultimate Fighting“ erfunden hatte. Es gab noch nicht einmal den Club, in dem die Kämpfe laut Kummer stattgefunden hatten. Gleichzeitig beendete auch das „SZ-Magazin“ die Zusammenarbeit mit ihm, weil er Ivana Trump philosophische Perlen in den Mund gelegt hatte, die von Andy Warhol stammten. Ein Interview mit der jungen Hollywood-Schauspielerin Christina Ricci stellte sich ebenfalls als fingiert heraus.

Gut ein Jahr später betonte Köppel im „Tagi-Magi“: „Beweise für gefälschte Interviews, die Kummer in diversen deutschen Magazinen, aber auch in Buchform bei dtv publiziert hatte, lagen damals keine vor.“ Das klingt unglaubwürdig, weil Köppel mit der Redaktion des „SZ-Magazin“ stets in engem Kontakt stand. Tatsächlich hielt denn auch Christian Kämmerling fest, er habe Köppel davon in Kenntnis gesetzt, dass das Interview mit Christina Ricci ein Fake war. Es ist zu vermuten, dass die drei Chefredaktoren im Frühjahr 1999 mit Kummer Stillschweigen über die peinliche Angelegenheit vereinbarten, nicht zuletzt zu ihrem eigenen Schutz.

Am 15. Mai 2000 machte „Focus“ die Interna öffentlich. Ein auf Kummers vermeintliche Exklusiv-Interviews neidischer Hollywood-Korrespondent hatte einige seiner „Gespräche“ übersetzt und dem Management der betroffenen Stars vorgelegt. Die Reaktionen: „Dieses Interview mit Brad Pitt ist frei erfunden.“ „Dieses Interview mit Kim Basinger gab es nicht.“ „Dieses Interview mit Courtney Love wurde nie geführt.“ Der grösste Medienskandal seit den gefälschten Hitler-Tagebüchern war perfekt.

Die Konsequenz: Christian Kämmerling und Ulf Poschardt verloren ihren Job, während Roger Köppel seinen behalten durfte. Der Rauswurf der beiden Chefs des „SZ-Magazin“ kam nicht überraschend: In einer zweiseitigen Recherche in eigener Sache – ein Novum in der deutschen Pressegeschichte – hatte die um ihren guten Ruf besorgte „Süddeutsche Zeitung“ nachgewiesen, dass Kämmerling und Poschardt seit Jahren Grund hatten, an der Echtheit von Kummers „Interviews“ zu zweifeln. Nicht zuletzt, weil dieser nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass er die journalistischen Werte Wahrheit oder Wirklichkeit geringschätzte. In „Good Morning Los Angeles“, einem 1997 bei dtv veröffentlichten „persönlichen Bericht“, konnte man lesen: „Für mich verschmolzen Wirklichkeit und Unwirklichkeit zu einem ziemlich gefährlichen Gemisch.“ Oder: „Ich fragte mich, ob ich jemals ein ernsthafter Journalist werden könnte, ob ich mich nicht längst schon auf einer Ebene bewegte, die man schlichtweg als kriminell bezeichnen musste.“

Rückblickend liest sich der Text wie ein 270 Seiten langes Geständnis. Trotzdem taten Kämmerling und Poschardt nach dem „Focus“-Artikel wie Junkies, die es einen Skandal fanden, dass Kummer ein Dealer war und die Drogen, die er ihnen verkauft hatte, illegal.

Formulieren wir es so (und mit der Arroganz eines Unbeteiligten, der nach 20 Jahren auf den Fall zurückblickt): Kämmerling und Poschardt wussten wohl nicht „offiziell“, dass Kummer die Gespräche fälschte. Aber es ist offensichtlich, dass sie nicht wirklich wissen wollten, ob er es tat. Dass der Berner Spesen in Rechnung stellte, genügte ihnen offenbar, um ruhig schlafen zu können. Fakt ist: Gegen Tom Kummer wurde nie Anklage erhoben.

Kummer – nach dem „Focus“-Outing eine journalistische Persona non grata – begann, als Lehrer für Paddle-Tennis zu arbeiten (eine Art Kleinfeldtennis), um sich und seine Familie durchzubringen, ironischerweise in einem noblen Beach Club in L.A., wo tatsächlich Stars und ihre Agenten verkehren.

2005 scheiterte ein Comeback-Versuch in Deutschland, als sich herausstellte, dass Kummer der „Berliner Zeitung“ eine schon veröffentlichte, sechs Jahre alte Reportage als neu untergejubelt hatte. Er hatte noch nicht einmal das Alter der Protagonisten angepasst. Konnten diese vielleicht ohnehin nicht altern, weil sie erfunden waren?

Für die Mitarbeit an der „Tempo“-Jubiläumsausgabe, die im Dezember 2006 erschien, war Kummer zuerst vorgesehen. Aufgrund des Protests ehemaliger Kollegen enthielt sie am Ende aber doch keinen Text von ihm.

2007 erschien Kummers Autobiographie „Blow up“. Darin beschreibt er, wie er in Hollywood – diesem künstlichen Paradies und Paradies der Künstlichkeit – zusehends den Boden unter den Füssen verlor. Sophia Coppola könnte einen Film aus Kummers Story drehen. Die beste Szene darin: Um ein Exklusiv-Gespräch mit Charles Bronson zu erfinden, wirft Kummer ein Botanikbuch an die Wand. Als es zu Boden fällt, wird eine Seite über Orchideen aufgeschlagen. Also lässt Kummer den harten Kerl Bronson offenbaren, dass er mit Orchideen rede.

Von 2007 bis 2009 veröffentlichte Kummer neun Texte im „Bund“. Auch die WOZ publizierte 2009 eine Reportage von ihm, über den Super Bowl. Allerdings enthielt diese einige Ungereimtheiten, wie der Schweizer Journalist Peter Hossli nachwies.

2010 erschien der Film „Bad Boy Kummer“ von Miklós Gimes, der als stellvertretender Chefredaktor des „Tagi-Magi“ ebenfalls Abnehmer von Kummers gefälschten Interviews gewesen war. Sein Dok wirft jedoch mehr Fragen auf, als er beantwortet. Nicht zuletzt, weil sich Kämmerling, Poschardt und Köppel – einmal mehr – zum Fall Kummer nicht äussern wollten.

Ab Sommer 2013 schrieb Kummer wieder für die „Weltwoche“ – und damit erneut für Roger Köppel. „Jeder verdient eine zweite Chance. Welcome back, Tom“, gab sich Köppel versöhnlich. In der Zwischenzeit schreibt Kummer aber nicht mehr für das Blatt. Die Gründe dafür wollte der „Weltwoche“-Chef während eines Telefongesprächs am 8. Juli nicht öffentlich machen. Sehr wahrscheinlich hängen sie aber mit der Recherche zusammen, welche die NZZ tags darauf veröffentlichte: Kummer hatte für einige seiner „Weltwoche“-Texte von anderen Autoren abgeschrieben. Bei einem Nachruf auf die amerikanische Entertainerin Joan Rivers betrug der Plagiatsanteil ganze 74 Prozent.

Auch Daniel Puntas Bernet wurde von Kummer genarrt, wie die NZZ herausfand. Der Chefredaktor von „Reportagen“ liess den Berner seit 2013 für sein Magazin schreiben. Der erste Text – eine Reise entlang des Grenzzauns zwischen den USA und Mexiko – trug den sinnigen Titel „Borderline“, denn zum Wahrheitsgehalt der Geschichte befragt, meinte der Grenzgänger-Journalist Kummer bloss: „Es sollte dem Leser egal sein, ob es sich so abgespielt hat oder nicht, ich will ihm was erzählen.“ Während Puntas Bernet mit dem Wahrheitsgehalt von Kummers Texten offenbar kein Problem hatte, macht ihm jetzt etwas anderes zu schaffen: Für einen im März 2016 erschienenen Text über amerikanische Radio-Demagogen hat sich Kummer laut NZZ unter anderem beim „Spiegel“, bei der FAZ und bei der „Zeit“ bedient. Acht Zeilen sind wörtlich aus Wikipedia übernommen.

Dass Kummer nicht nur ein begnadeter Fälscher, sondern auch ein – allerdings weit weniger begnadeter – Dieb ist, überrascht nicht: Schon 1990 hatte er für eine Reportage über mexikanische Teufelsanbeter vom amerikanischen Schriftsteller Richard Ford abgeschrieben.

Das lässt uns leicht skeptisch dem Roman „Nina & Tom“ entgegenblicken, den Kummer 2017 im Berliner Aufbau-Verlag veröffentlichen wird. Bei dieser Gelegenheit sei er auch wieder bereit für ein Interview, liess uns Kummer wissen, als er das vereinbarte Gespräch mit dem „Schweizer Journalist“ wieder absagte.

Unsere letzte Frage wäre gewesen: „Herr Kummer, denken Sie manchmal: Verdammt, ich habe es verkackt, ich hätte der deutsche Hunter S. Thompson werden können?“