Kein iGod

von Dominik Imseng

Jetzt gibt es den digitalen Lifestyle-Fetisch iPhone auch in der Schweiz. 30 Gründe, warum STEVE JOBS trotzdem nicht der coolste Typ auf Erden ist.

NZZ am Sonntag, 13. Juli 2008 · Dominik Imseng auf Twitter

1 Jobs ist selbstherrlich, eingebildet, cholerisch und die Willkür in Person. Untergebene sind für ihn entweder „Genies“ oder „Vollidioten“, wobei man sehr rasch von der einen Kategorie in die andere wechseln kann – und wieder zurück.

2 Bei der iPod-Produktion in der chinesischen Provinz Shenzhen sollen inakzeptable Arbeitsbedingungen herrschen. Es wird von 15-stündigen Arbeitstagen und Monatslöhnen von 40 Euro berichtet – nur die Hälfte des üblichen Mindestlohns.

3 Obwohl ein Vaterschaftstest keine Zweifel daran liess, leugnete Jobs, der Vater von Lisa Brennan-Jobs zu sein, seiner Tochter aus der langjährigen Beziehung mit der Journalistin Chris-Ann Brennan. Ein Gerichtsurteil war nötig, um Jobs dazu zu bringen, für Mutter und Kind aufzukommen, die inzwischen zum Sozialfall geworden waren. Wider alle Vernunft beharrte Jobs darauf, dass „28% der männlichen Bevölkerung der USA der Vater dieses Kindes sein könnten“.

4 In den frühen Apple-Tagen hisste Jobs eine Piratenflagge, um zu zeigen, wie sehr er gegen das Business-Establishment war. Mittlerweile geht er gerichtlich gegen Blogger vor, die kritisch über Apple-Produkte berichten.

5 Jobs ist immer gleich angezogen. Das ist im Prinzip in Ordnung, auch Barack Obama trägt immer einen schwarzen Anzug und ein weisses Hemd. Aber Jobs trägt immer speckige Jeans und einen schwarzen Rollkragenpullover.

6 Anders als bei modernen Mobiltelefonen üblich, enthält das iPhone die Schadstoffe PVC und Brom, die für Mensch und Natur erhebliche Risiken bergen.

7 Die runde Maus für den ersten iMac war die unhandlichste in der Geschichte des PC.

8 1983 gab Jobs Unsummen aus, um den Marketingchef von Pepsi – John Sculley – als CEO zu Apple zu locken. Zwei Jahre später wurde er von Sculley aus seiner eigenen Firma gedrängt.

9 Das südkoreanische Unternehmen LG wirft Apple vor, das Design des iPhone vom „Prada phone by LG“ kopiert zu haben. Dieses Smartphone, ebenfalls mit Touchscreen, wurde im September 2006 vorgestellt – rund vier Monate vor Lancierung des iPhone.

10 In seiner Werbekampagne mit dem Slogan „Think Different“ zeigte Jobs Ausnahmemenschen wie Gandhi, Martin Luther King oder John Lennon, die sich gegen Ungerechtigkeit, Rassismus oder Krieg einsetzten. Jobs selbst aber hat sich noch nie öffentlich für eine gute Sache eingesetzt. Idealismus scheint ihm nur dann ein Anliegen zu sein, wenn sich damit Apple-Produkte verkaufen lassen.

11 In vielen Ländern kann man mit dem iPhone nur über jenen Mobilfunk-Anbieter telephonieren, der Apple die grösste Umsatzbeteilung gewährt – und diese Kosten dann auf seine Kunden abwälzt.

12 Als im Verlag Wiley & Sons eine unautorisierte Jobs-Biographie erschien, verbot dieser, dass in den Apple-Stores weiterhin Bücher dieses Verlags verkauft werden.

13 Was Jobs am besten kann, ist anderer Leute Erfolg für sich verbuchen. So waren weder die grafische Benutzeroberfläche noch die Computermaus, die den Macintosh so revolutionär machten, seine Erfindung – sie wurden im Xerox-Forschungszentrum PARC entwickelt. Auch der iPod, das Programm iTunes und das Konzept für den iTunes Store waren nicht Jobs’ Idee, sondern die des Apple-Angestellten Tony Fadell.

14 Bei den kleineren iPods kann man den Akku nicht einfach austauschen, wenn sich dieser nicht mehr aufladen lässt. Obwohl das Gerät noch funktionsfähig wäre, muss man also einen neuen iPod kaufen. Nicht nur ökonomisch eine Zumutung, sondern auch ökologisch.

15 Der Apple I kostete 666 Dollar, in der Johannes-Offenbarung die Zahl des Antichristen. Ist Jobs Satanist?

16 Für den jungen Jobs sah die schönste Form der Entspannung so aus: Er steckte seine Füsse in die Kloschüssel und drückte ein paar Mal auf den Spülknopf.

17 In Geschwindigkeitstests sind Apple-Computer regelmässig Windows-Rechnern unterlegen, die deutlich günstiger sind.

18 Jobs ist im Visier der amerikanischen Steuerbehörden, da er im Jahr 2001 Aktienoptionen erhielt, die auf ein Kurstief der Apple-Aktie rückdatiert waren. Dadurch versteuerte er 20 Millionen Dollar weniger Einkommen.

19 Jobs’ Narzissmus ist legendär. Als man bei Apple Angestelltennummern einführte, die sich auf das Einstellungsdatum bezogen, bekam Steve Wozniak – das technische Genie, das Apple mitgegründet hatte – die Nummer 1. Jobs, der auf keinen Fall die Nummer 2 sein wollte, argumentierte unter Tränen, dass die Nummer 0 ja noch frei sei. Er bekam sie.

20 Bevor Jobs Apple mitgründete, war er Hinduist und versuchte, während eines Indien-Trips wie ein Bettelmönch zu leben. Mittlerweile macht er den Menschen weis, dass man Glück kaufen kann; verspricht er ihnen ein besseres Leben durch besseres Design; macht er sie glauben, dass ein Luxusartikel unverzichtbar ist.

21 Jobs, der ein Vermögen von über fünf Milliarden Dollar besitzt, hat noch nie einen substanziellen Betrag für wohltätige Zwecke gespendet. Ganz im Gegensatz zu Bill Gates, der schon Millionen für die Bekämpfung von Krankheiten in Entwicklungsländern ausgegeben hat und sich in Zukunft nur noch um seine wohltätige Stiftung kümmern will.

22 Durch seine strikte Weigerung, auch andere Computerhersteller das Macintosh-Betriebssystem verwenden zu lassen, vergab sich Jobs die Chance, die Monopolstellung innezuhaben, die sich Microsoft erobert hat. Experten sehen darin einen der grössten Management-Fehlentscheide überhaupt.

23 Jobs ist ein Fanatiker: Als er sich in jungen Jahren nur von Obst ernährte, war er von der reinigenden Wirkung dieser Diät so überzeugt, dass er glaubte, sich nicht mehr waschen zu müssen.

24 Management-Professor Robert Sutton, der das Buch „The No Asshole Rule“ schrieb: „Sobald die Leute hörten, dass ich ein Buch über Arschlöcher schrieb, kamen sie zu mir und erzählten mir ihre ganz persönliche Steve-Jobs-Anekdote.“ Besonders ausgeprägt ist bei Jobs folgendes Verhalten: Wenn jemand mit einem Vorschlag zu ihm kommt, zerreisst er diesen in der Luft, um ihn eine Woche später plötzlich brillant zu finden und als seinen eigenen auszugeben.

25 Egal, wie viele Über- und Wochenendstunden seine Angestellten investieren, egal auch, ob sie dadurch ihre Gesundheit und/oder ihre Ehe zerstören – sie haben nie genug getan, um Jobs’ Ruhm zu mehren.

26 Jobs reicht es nicht, dass er Mitgründer und CEO von Apple ist – er will auch bei über hundert Apple-Patenten als Miterfinder aufgeführt werden. Bis hin zum Befestigungssystem der gläsernen Treppenaufgänge in den Apple-Stores.

27 Wenn Jobs wirklich grossartig wäre, würden die iPod-Kopfhörer besser halten – und besser klingen.

28 Als Apple 1980 an die Börse ging, verweigerte Jobs Mitarbeitern, die sich jahrelang bis zum Umfallen für den Erfolg der Firma eingesetzt hatten, Aktienoptionen.

29 Obwohl Jobs weiss Gott Macht genug hat, lässt er in Restaurants regelmässig Gerichte wieder in die Küche bringen, weil sie nicht dem entsprechen, was er sich nach der Beschreibung des Obers vorgestellt hat. Wenn dann ein weiteres Gericht serviert wird, geht dieses häufig ebenfalls zurück.

30 Jobs ist nicht der Vater des Macintosh, wie alle immer meinen. Die Idee eines kleinen Computers mit grafischer Benutzeroberfläche, bei dem man keine unverständlichen Befehle eingeben muss, um mit ihm arbeiten zu können, stammte vom Apple-Mitarbeiter Jef Raskin.

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